Der Mensch hinter den Schulden

Heute kommen zwei verschuldete Menschen selbst zu Wort

10.6.2021 | In der laufenden Aktionswoche der Schuldnerberatung geht es um den Menschen hinter den Schulden: Schuldner*innen — was sind das eigentlich für Menschen? Warum sind sie in die Schulden gerutscht? Wie fühlt sich das an, Schulden zu haben? Und wie ist es, Klient*in in der Schuldnerberatung zu sein? Heute kommen im Rahmen der Aktionswoche zwei Klient*innen der Schuldner- beratungsstelle der Caritas Mayen zu Wort: Ein Klient erzählt: „Im Sommer werde ich 60 Jahre alt, vor fünf Jahren bin ich krank geworden und konnte nicht mehr arbeiten gehen. Habe dann meine Arbeit verloren und konnte keine Arbeit mehr finden und keinen Arbeitgeber der mich eingestellt hätte. Ich bin unheilbar krank. Dann habe ich Arbeitslosengeld bekommen und danach Hartz IV. Bis mein Hausarzt auf mich zuging und mich fragte ob ich nicht die Erwerbs- minderungsrente beantragen will. Was ich dann auch machte. Seitdem bekomme ich Rente und brauche kein Hartz IV mehr. Leider unter dem Sozialsatz. Dann konnte ich nicht mehr bezahlen und meinen Verpflichtungen nachkommen. Ich konnte meine Schulden nicht mehr bezahlen. Dann brach mein bisheriges Leben komplett zusammen. Das hat mich psychisch krank gemacht. Jetzt versuche ich Schritt für Schritt mein Leben wieder in den Griff zu bekommen, und dabei hilft mir der Caritasverband.“ Eine Klientin erzählt: „Ich bin 33 und hoch verschuldet. — Wie es dazu kam? — Sicher nicht durch teure Hobbies oder abstruse Handyverträge. Ich komme aus einer Arbeiterfamilie mit alleinverdienendem Vater. In der Familienhistorie war ich die Erste mit Abitur, vom Studium ganz zu schweigen. Ich wollte etwas erreichen, studierte Betriebswirtschaft im Ausland, reiste und bildete mich weiter. Die Weichen waren gestellt auf Erfolg — und meine Schulden wären 2024 abbezahlt gewesen. Doch dann wurde ich krank. Zusammenbruch 2019 — schwere Depressionen. Die aufstrebende Managerin konnte von jetzt auf gleich nichts mehr. Finanziell war ich nie abgesichert — Versicherungen, Pustekuchen. Und dann stand ich da. Enorme Einkommens- ausfälle, die Mahnungen türmten sich. Das rief Angst und Panik hervor und um mich abzulenken, fing ich dann auch noch an, einzukaufen. Es hat mich viele Therapien gekostet um zu verstehen, dass ich meine Krankheit nur besiegen kann, wenn ich den finanziellen Druck loswerde. In der Schuldnerberatung habe ich endlich Hilfe erhalten. Weder wurde ich verurteilt noch ausgelacht. Man hat mich verstanden und sich für mich eingesetzt. Nun stehe ich kurz vor der Privatinsolvenz ... und fühle mich befreiter denn je! Ich möchte alle Menschen ermutigen, sich Hilfe zu holen. Die finanziellen Sorgen fressen einen auf — und das muss nicht sein! Wir haben alle nur dieses eine Leben. Und egal aus welchem Grund jemand in diese Lage kommt, mangelnde Liquidität sollte nicht der Grund dafür sein, dass wir es in Qualen verbringen. Die Schuldner- beratung hat mir sehr viele Wege aufgezeigt. Gegen die Privatinsolvenz habe ich mich lange gewehrt. Was sollen nur die Leute von einem denken! Aber sich Hilfe zu holen, egal in welcher Form, macht man für sich — nicht für die anderen!“ An der Aktionswoche Schuldnerberatung, zu der die Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände (AG SBV) aufruft, beteiligen sich deutschlandweit Schuldnerberatungsstellen, so auch die Schuldnerberatung der Caritas Mayen: Beratungstelefon: 02651 — 98 69-138 info@caritas-mayen.de Onlineberatung über die Homepage des Caritasverbandes: www.caritas-mayen.de/schuldner.htm

Der Mensch hinter den Schulden

Heute kommen zwei

verschuldete Menschen selbst

zu Wort

10.6.2021 | In der laufenden Aktionswoche der Schuldnerberatung geht es um den Menschen hinter den Schulden: Schuldner*innen — was sind das eigentlich für Menschen? Warum sind sie in die Schulden gerutscht? Wie fühlt sich das an, Schulden zu haben? Und wie ist es, Klient*in in der Schuldnerberatung zu sein? Heute kommen im Rahmen der Aktions- woche zwei Klient*innen der Schuldner- beratungsstelle der Caritas Mayen zu Wort: Ein Klient erzählt: „Im Sommer werde ich 60 Jahre alt, vor fünf Jahren bin ich krank geworden und konnte nicht mehr arbeiten gehen. Habe dann meine Arbeit verloren und konnte keine Arbeit mehr finden und keinen Arbeitgeber der mich eingestellt hätte. Ich bin unheilbar krank. Dann habe ich Arbeitslosengeld bekommen und danach Hartz IV. Bis mein Hausarzt auf mich zuging und mich fragte ob ich nicht die Erwerbsminderungs- rente beantragen will. Was ich dann auch machte. Seitdem bekomme ich Rente und brauche kein Hartz IV mehr. Leider unter dem Sozialsatz. Dann konnte ich nicht mehr bezahlen und meinen Verpflichtungen nachkommen. Ich konnte meine Schulden nicht mehr bezahlen. Dann brach mein bisheriges Leben komplett zusammen. Das hat mich psychisch krank gemacht. Jetzt versuche ich Schritt für Schritt mein Leben wieder in den Griff zu bekommen, und dabei hilft mir der Caritasverband.“ Eine Klientin erzählt: „Ich bin 33 und hoch verschuldet. — Wie es dazu kam? — Sicher nicht durch teure Hobbies oder abstruse Handyverträge. Ich komme aus einer Arbeiterfamilie mit alleinverdienendem Vater. In der Familien- historie war ich die Erste mit Abitur, vom Studium ganz zu schweigen. Ich wollte etwas erreichen, studierte Betriebswirtschaft im Ausland, reiste und bildete mich weiter. Die Weichen waren gestellt auf Erfolg — und meine Schulden wären 2024 abbezahlt gewesen. Doch dann wurde ich krank. Zusammenbruch 2019 — schwere Depressionen. Die aufstrebende Managerin konnte von jetzt auf gleich nichts mehr. Finanziell war ich nie abgesichert — Versicherungen, Pustekuchen. Und dann stand ich da. Enorme Einkommensausfälle, die Mahnungen türmten sich. Das rief Angst und Panik hervor und um mich abzulenken, fing ich dann auch noch an, einzukaufen. Es hat mich viele Therapien gekostet um zu verstehen, dass ich meine Krankheit nur besiegen kann, wenn ich den finanziellen Druck loswerde. In der Schuldnerberatung habe ich endlich Hilfe erhalten. Weder wurde ich verurteilt noch ausgelacht. Man hat mich verstanden und sich für mich eingesetzt. Nun stehe ich kurz vor der Privatinsolvenz ... und fühle mich befreiter denn je! Ich möchte alle Menschen ermutigen, sich Hilfe zu holen. Die finanziellen Sorgen fressen einen auf — und das muss nicht sein! Wir haben alle nur dieses eine Leben. Und egal aus welchem Grund jemand in diese Lage kommt, mangelnde Liquidität sollte nicht der Grund dafür sein, dass wir es in Qualen verbringen. Die Schuldnerberatung hat mir sehr viele Wege aufgezeigt. Gegen die Privatinsolvenz habe ich mich lange gewehrt. Was sollen nur die Leute von einem denken! Aber sich Hilfe zu holen, egal in welcher Form, macht man für sich — nicht für die anderen!“ An der Aktionswoche Schuldnerberatung, zu der die Arbeitsgemeinschaft Schuldner- beratung der Verbände (AG SBV) aufruft, beteiligen sich deutschlandweit Schuldner- beratungsstellen, so auch die Schuldner- beratung der Caritas Mayen: Beratungstelefon: 02651 — 98 69-138 info@caritas-mayen.de Onlineberatung über die Homepage des Caritasverbandes: www.caritas-mayen.de/schuldner.htm